sangoinicus

Zentralstadion

Bomberg

Bomberg ist der Schieber (Brigadier) von Armin. 1984 hatte sich letztgenannter um besser bezahlte Arbeit bemüht und dafür die „FDJ-Initiative Berlin“ missbraucht. Bis zu 1600 Ostmark pro Monat sollten schon bald seiner jungen Liebe mit Cirstin entsprechenden Komfort gewährleisten. Jedenfalls landet der geborene Cottbuser Armin erstmal direkt in der Mühsamstraße 59 (Friedrichshain) bei Bombergs Elektriker-Brigade. Bomberg scheint ein Spießer, welche Armin überhaupt nicht mag. Nach anfänglich guter Atmosphäre wachsen schnell Spannungen heran. Der noch sehr unreife Armin wiegelt irgendwann sogar Mitarbeiter gegen Bomberg auf. Bomberg jedoch kümmert sich, wenig beeindruckt, um das Wesentliche. Dazu gehören saubere Stundenabrechnungen, gut organisierte Tischtennisturniere, Bowlingabende und immerhin zwei Reisen nach Leipzig zu interessanten Fußballspielen. Eines davon bleibt das Europa-Cup-Halbfinale 1987 zwischen Girondins Bordeaux und eben diesem 1. FC Lokomotive Leipzig, kurz „Loksche“ genannt.

Denkmal

Bomberg hat scheinbar immer einen guten Plan. So knattern die zwei Trabbis schon früh gegen 08.00 Uhr auf der Autobahn nach Sachsen. Viel später erfährt Armin etwas über endlose Staukolonnen eben wegen diesem Fußballspiel. Aber der gewonnene Vormittag schenkt sogar einen Abstecher zum Völkerschlacht-Denkmal. Schon gegen 17.00 Uhr rattern die beiden Trabbis jedoch Richtung Zentralstadion. Alle fragen sich wortlos ob der Übereile. Bomberg kennt natürlich auch schon den optimalen Parkplatz. Über zwei Stunden vor Spielbeginn scheint allerdings bereits die Hölle los. Niedergerissene Stahlzäune und diverse andere überrannte Absperrungen säumen den Weg zu diesem riesigen Stadionkessel. Aber der Einlass funktioniert noch und unsere Eintrittskarten werden abgerissen.

Ankunft

Armin kennt das Cottbusser „Stadion der Freundschaft“ von Oberliga-Spielen wie „Energie“ gegen Jena oder Magdeburg aus den Siebzigern. Dieses Leipziger Zentralstadion präsentiert jedoch ganz neue Dimensionen. Erst Jahre später erfährt Armin vom Fundament des gigantischen Stadionkessels, welcher aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges zusammengekarrt wurde.

Hinspiel

Durch ein Tor von Uwe Bredow gewann Leipzig mehr als überraschend in Bordeaux mit 1:0

Glocke

Eine riesige aus männeratmender Luft schwebende Dunstwolke steht schon vor Spielbeginn ca. dreißig Meter über dem Spielfeld und vernebelt regelrecht das kalte Quecksilberlicht der Flutscheinwerfer. Auf der Anzeigetafel stehen 73500 Zuschauer. Armin denkt spontan "eher 120000". Auf Grund dieser bisher unerlebten Atmosphäre kommt nicht mal der Ansatz von Langeweile auf.

Sieg

Schon in der sechsten Minute kassiert Leipzig den egalisierenden Gegentreffer. Aber deutlich mehr als hundertzwanzigtausend Zuschauer wachen noch rechtzeitig auf. Nach ergebnisloser Nachspielzeit wartet wieder mal ein Elfmeterschießen. Der Leipziger Torwart Rene Müller hält den fünften Elfmeter von Bordeaux und setzt den letzten Leipziger Schuss höchstpersönlich in das Netz der Franzosen. Ein erdbebenähnliches Triumphgebrüll aus über hunderttausend Kehlen bläst all diesen müden Staub geradezu aus den Katakomben des Nachkriegskessels, welcher auch heute noch Zentralstadion heißt.

Nachwort

Coming soon…

German 03/10

 

 

 

aktualisiert am 22.12.2011 als Favorit eintragen | weiter empfehlen | Zurück zur Startseite