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Achterbahn

Der erste von 4 Tagen in EuroDisney ist fast vorrüber. Siegfried liegt auf dem Doppelbett im Hotelzimmer und amüsiert sich über seinen Papa Armin. Dieser parodiert stehend nämlich gerade seinen Sohn beim Checkin. Dessen Ungeduld im überfüllten Empfangsraum des Hotels war unverkennbar.

Mit verstellter Stimme quasselt Armin. "Verdammt, ich will Indianer Jonas und keine blöden Zettel ausfüllen. Wo ist Indianer Jonas!? Wo ist dieser Sack wieder hin?!". Diese und ähnliche Äußerungen sorgen für ausgelassene Erheiterung. Siegfried krümmt sich vor Lachen auf dem Bett. Auch Armin lacht unwillkürlich und glücklich mit.

Indianer Jonas ist eine der rassigen Achterbahnen dieses Vergnügungsparks bei Paris. 2001 war Siegfrieds Körpergröße schlicht nicht ausreichend. Nur seine große Schwester Lara und Papa Armin durften den Heidenspaß in Serie genießen. Dieser Kurzurlaub gehört zu Siegrieds "DeFacto-Jugenweihe Geschenken". Siegfried ist also vierzehn und locker groß genug.

Doch der eilige Weg zu dieser recht abgelegenen Anlage endet zunächst mit einer frustrierenden Enttäuschung. Beim Hochziehen des Wagens auf den Schienen erfolgt kurz vor der Abfahrt ein harter Stopp, welcher auch Armin in den Rücken fährt. Minuten später erscheint Personal und geleitet die Wagengäste über irgendwelche Treppen und Schleichwege nach draussen. Die Achterbahn funktioniert nicht mehr.

Siegfried wirkt sehr enttäuscht und dann sogar etwas wütend. Fünf Jahre Wartezeit und nun sowas. "Sicher warst Du zu fett für den Wagen" Siegfried grinst schon wieder neckisch zu seinem Papa. Armin findet es sogar gut, dass er kein Leichtgewicht ist. Das er nicht wirklich fett ist, weiß auch Siegfried. "Vielleicht warst Du nur zu leicht" feixt Armin zurück. Beide rempeln sich kraftvoll gegenseitig.

Zudem ist nach dem Anreisestress auch erstmal eine Pause fällig. Das Hotelzimmer wartet.

Nachmittags marschiert Siegfried einfach alleine los. Armin hat es sogar vorgeschlagen. Der alternde Papa bevorzugt eine der Hotelbars für einige kühle Blonde. So richtig Ruhe kommt jedoch nicht auf. Wenn etwas passiert usw... Jedenfalls sucht sich Armin einen Fensterplatz mit Sichtkontakt zum Disneybroadway. Tatsächlich kommt sein Sohn nur einige Minuten nach vereinbartem Zeitpunkt auf diesem Weg zurück.

Alles hat super geklappt. Space Mountain sechs mal am Stück. Indianer Jonas klappte wegen der Warteschlangen nur dreimal. Generell interessiert sich Siegfried ausschließlich für Achterbahnen. Es bleibt sein Kurzurlaub und auch Armin mag dieses Bauchkribbeln. Die Tage vergehen wie im Flug. Für den notwendigen Food wird konsequent McDonald's mißbraucht.

Diese Performance entwickelt Eigendynamik. Siegfried hat selbst in den "Disney Studios" eine Achterbahn entdeckt. Armin fühlt sich regelrecht ausgetrickst, als das Beschleunigungschaos wiedermal seine Sinne verdreht. Sie schaffen es sogar einmal auf den vordersten Wagen. Alles knallt noch etwas intensiver. Aero Smith steht für satte Musik und einen zweifachen Looping inclusive kompletter Längsdrehung. Letztendlich einigen sich beide auf diesem Rock N' Roller Coaster als beste Achterbahn.

Fantastisches Glück beherrscht diese Märchenwelt. Natürlich gibt es immer wiedermal etwas Stress in Richtung Aufmerksamkeit. Armin versucht an Siegfrieds Zukunft zu denken. Dessen natürliche Bequemlichkeit kollidiert konsequent mit Papas Sorgen. Aber es funktioniert trotzdem. Wenige Minuten reichen meist um gemeinsames Lachen zurück zu erleben.

Überhaupt kennzeichnet sich diese Zweisamkeit durch vielfältige und positive Intension. Auch Laras Londonurlaub mit Armin hatte diese Effizienz der Erlebnistiefe zu bieten. Schwerfällige Familienurlaube sind für Armin schon lange kein Muß mehr. Das dieser Kurzurlaub in EuroDisney noch viel mehr zu bieten hatte, versucht sich mit dem Sturz zu beschreiben.

german 07/07

 

 

 

 

aktualisiert am 17.05.2011 als Favorit eintragen | weiter empfehlen | Zurück zur Startseite