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aus Linux Enterprise Ausgabe: 01./02.2004
"PHP soll kein zweites Java werden
Interview mit Brad Young von Zend Technologies (Nadja Rosmann)
- Von PHP 5 erwartet sich die PHP-Entwicklergemeinde sehr
viel im Hinblick auf die Enterprise-Tauglichkeit der Skriptsprache.
Wir sprachen auf der International PHP Conference in Frankfurt
mit Brad Young, Director of Product Marketing von Zend Technologies,
dem Unternehmen, das mit der Zend Engine an der Kernentwicklung
von PHP teilhat, über die Entwicklungsperspektiven von
PHP.
- Linux Enterprise: Was sind die wichtigsten Meilensteine
bei PHP 5?
- Brad Young: Es gibt im Prinzip drei Punkte, die die neue
Version prägen. Über das neue Objektmodell wurde
sicher schon am meisten diskutiert, denn die Objektorientierung
bringt mehr Flexibilität und bietet viele gute Ansatzpunkte
für Entwickler, die bereits mit anderen objektorientierten
Sprachen gearbeitet haben. Die beiden anderen wichtigen Punkte
sind die XML-Fähigkeit auf Basis von SimpleXML und die
Integration von SQLite. SQLite soll nicht der ultimative Datenbankserver
sein. Es soll Entwicklern schlicht helfen, schnell zur Sache
zu kommen bei der Implementierung von Datenbankfunktionalität
für kleinere und mittlere Websites.
- LE: Bisher wird PHP ja vor allem in kleineren und mittleren
Anwendungen eingesetzt und dies hauptsächlich von
kleineren und mittleren Unternehmen. In welcher Hinsicht
muss PHP noch optimiert werden, um für größere
Unternehmen mit größeren Applikationsumgebungen
eine gute Wahl zu sein?
- Young: Ich denke, bei dieser Frage geht es nicht unbedingt
um Features. Für größere Unternehmen spielen
die Unterstützung durch Hersteller und der Support eine
tragende Rolle. Deshalb ist aus der Sicht von Zend auch unser
Announcement, das PHP künftig auch auf den Java Web Servern
von Sun lauffähig ist, ein großer Schritt. Ein
großer Teil der Fortune 1000-Unternehmen arbeitet mit
den Solaris-Servern und ist auch nicht bereit, andere Produkte
in der DMZ einzusetzen. Die Enterprise-Anwender wissen zwar,
dass Apache sehr sicher ist, aber sie wollen dennoch kein
Risiko eingehen. Auf der anderen Seite hat man in den Unternehmen
das Phänomen, dass immer mehr Entwickler kleinere Anwendungen
in PHP implementieren und diese dann auch gerne auf den Unternehmensservern
laufen lassen würden.
- LE: Liegt das Akzeptanzdefizit bei den großen Unternehmen
auch daran, dass es noch nicht viele große Anbieter
gibt, die professionelle Unterstützung für PHP
bieten?
- Young: In dieser Hinsicht tut sich gegenwärtig schon
einiges. Adobe ist dabei, PHP in seine Produktlinie zu integrieren.
Macromedia bietet PHP-Unterstützung in seinen Produkten.
Auch bei Oracle bewegt man sich in Richtung PHP.
- LE: Soll PHP eine Enterprise-Sprache wie Java werden?
- Young: Nein. Kommen wir noch einmal auf das Objektmodell
zurück. Diese Umsetzung macht PHP zu einer Sprache, die
im Hinblick auf das Objektmodell sehr ähnlich wie Java
ist. Das hat den Vorteil, dass Entwickler, die bereits mit
objektorientierten Sprachen arbeiten, sich sehr schnell heimisch
fühlen werden und bisherige PHP-Entwickler endlich in
den Genuss der Objektorientierung kommen. Aber dennoch bleibt
PHP weiterhin eine Skriptsprache. Es ist weder Zends Absicht
noch die der PHP-Community, aus PHP ein zweites Java zu machen.
PHP muss ja auch nicht überall eingesetzt werden. Ich
hätte zum Beispiel große Zweifel, wenn meine Bank
plötzlich alle Transaktionen unter PHP laufen lassen
würde
- LE: Wird das neue Objektmodell die Sprache für
Einsteiger nicht zu kompliziert machen? Einer der großen
Vorteile von PHP ist ja die relativ niedrige Lernkurve.
- Young: Das Objektmodell macht PHP ja noch nicht zu einer
objektorientierten Sprache. Wenn man Java lernt, kommt man
an der Objektorientierung nicht vorbei. Bei PHP hingegen verändert
sich die Architektur der Sprache durch das Objektmodell nicht
oder kaum. Wir haben eine Abwärtskompatibilität.
Eines der Haupt-Designziele von PHP 5 ist es, die Einfachheit
der Sprache zu erhalten.
- LE: Die Verfügbarkeit von PHP auf Sun Servern bedeutet
zunächst lediglich, dass PHP hier lauffähig
ist. Wie sieht es mit Interaktionsmöglichkeiten zwischen
Java- und PHP-Programmen aus?
- Young: Die Verfügbarkeit ist eine Frage der Produktintegration
gewesen. Wir arbeiten mit Sun auch in Standardfragen zusammen.
Mit der Java Specification Request-Initiative, die im Sommer
ins Leben gerufen wurde und auch von Borland, Apple, Macromedia
und MySQL unterstützt wird, wollen wir künftig erreichen,
dass PHP mit Java-Objekten interagieren kann.
- LE: Wann wird PHP 5 denn für den Einsatz in Produktivsystemen
tauglich sein?
- Young: Es war schon einmal der Dezember 2003 im Gespräch,
aber Sie wissen ja, wie das mit solchen Vorhersagen ist. Ich
gehe davon aus, dass wir auf jeden Fall im ersten Quartal
2004 so weit sein werden.
- LE: Was glauben Sie, wie lange es dauern wird, bis die
ISPs PHP 5 anbieten? Bei Apache 2 hat das ja eine Weile
gedauert.
- Young: Für Hoster ist es nicht so ein Umstieg wie
bei Apache. PHP 5 bietet neue Funktionen, ist aber abwärtskompatibel,
so dass sich aus der Perspektive der ISPs nicht viel ändert.
Ich denke, wenn die Nachfrage auf Kundenseite vorhanden ist,
werden die ISPs sehr schnell PHP 5 anbieten.
- LE: Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen über Zend Technologies finden Sie
unter www.zend.com.
Der aktuelle Entwicklungsstand von PHP lässt sich unter
www.php.net/
verfolgen.
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